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Was hundert Jahre Börse wirklich zeigen

Geldanlagen brauchen kein Orakel, sondern Geduld und Vertrauen in menschlichen Erfindergeist

Von Alexander Ihl | Mai 2026

Doodle moneyletter Mai 2026

Aktien bringen langfristig 2 Prozent? Vielleicht 5 Prozent? Oder doch deutlich mehr? Niemand wusste es genau.
Nicht einmal Experten kannten verlässliche Zahlen.

Das änderte sich, als Wissenschaftler der Universität von Chicago historische Aktienmarktdaten systematisch
auswerteten. Daraus entstand das Center for Research in Security Prices, kurz CRSP: eine Datenbank, die
Aktienrenditen bis ins Jahr 1926 zurückverfolgte und die moderne Kapitalmarktforschung entscheidend prägte.

2026 sind diese Daten 100 Jahre alt. Das ist mehr als eine akademische Randnotiz. Denn diese 100 Jahre zeigen
ziemlich klar, was Anlegerinnen und Anleger aus Aktienmärkten lernen können.

Die Daten haben eine elementare Frage beantwortet

Die Professoren Jim Lorie und Larry Fisher wollten wissen: Welche Rendite haben US-Aktien tatsächlich
erwirtschaftet? Nicht gefühlt. Nicht geschätzt. Sondern auf Basis verlässlicher Marktdaten berechnet.
Das Ergebnis überraschte viele: Zwischen 1926 und 1960 erzielten US-Aktien eine jährliche Rendite von etwa 9
Prozent. Spätere Auswertungen bestätigten das Bild: Über viele Jahrzehnte lagen die Marktrenditen in einer
Größenordnung von rund 10 Prozent pro Jahr.

Natürlich nicht jedes Jahr. Nicht gleichmäßig. Nicht ohne Rückschläge. Aber langfristig erstaunlich robust.

Die Börse ist unruhig, doch der Markt ist nicht planlos

Ein einzelnes Börsenjahr kann chaotisch wirken. Mal steigen Kurse kräftig. Mal fallen sie schmerzhaft. Nachrichten, Krisen, Zinsen, Kriege, Inflation —alles kann kurzfristig für Bewegung sorgen.
Über lange Zeiträume zeigt sich ein anderes Bild. Märkte sind kein wildes Durcheinander. Sie sind ein System, in dem Millionen Anleger Informationen verarbeiten, Erwartungen einpreisen und Kapital dorthin lenken, wo
Unternehmen wachsen wollen.
Das funktioniert nicht perfekt. Aber erstaunlich gut, wenn wichtige Grundlagen vorhanden sind: verlässliche Regeln, transparente Informationen, Eigentumsschutz, faire Preisbildung und Wettbewerb. Dann wird aus vielen Einzelentscheidungen so etwas wie Schwarmintelligenz.

Wie Anleger davon profitieren

Unternehmen geben Aktien aus, weil sie Kapital brauchen. Anleger stellen dieses Kapital bereit, weil sie an
künftigen Gewinnen teilhaben möchten. Das ist der Grundgedanke des Aktienmarktes.
Wer breit investiert, setzt nicht auf die eine perfekte Aktie. Er beteiligt sich an vielen Unternehmen, Ideen,
Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen gleichzeitig.

Oder einfacher gesagt: Man investiert nicht nur in Kurse. Man investiert in menschlichen Erfindungsgeist.
Menschen gründen Unternehmen. Sie verbessern Produkte. Sie senken Kosten. Sie lösen Probleme. Sie passen sich an neue Entwicklungen an. Genau daraus entsteht langfristig Wertschöpfung.

Ein feiner Unterschied

Die wichtigste Frage lautet nicht: „Was macht der Markt nächste Woche?“ Sie lautet: „Wie nutze ich langfristig die Kraft des Marktes —möglichst effizient und mit niedrigen Kosten?“ Denn heute kann praktisch jeder in den Markt investieren. Entscheidend ist nicht mehr der Zugang. Entscheidend ist die Umsetzung. Mit einem Plan. Und mit der Disziplin, investiert zu bleiben, wenn die Börse gerade keine schönen Bilder liefert.

Erkenntnis

100 Jahre Börsendaten sind kein Versprechen für die Zukunft. Aber sie sind ein starker Hinweis. Sie zeigen: Wer langfristig investiert, breit streut und auf Markt-Timing verzichtet, nutzt eine der produktivsten Kräfte überhaupt: den menschlichen Erfindungsreichtum.
Die Zukunft bleibt offen. Aber sie beginnt nicht bei null. Sie baut auf allem auf, was Menschen entwickeln,
verbessern und unternehmen.

Gute Geldanlage glaubt nicht an Prognosen. Sie vertraut auf Fortschritt.

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Mai 2026

Gedanken zur besseren Geldentscheidung.
Von Alexander Ihl

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